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„Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“

Eingereicht von »Freundeskreis Naturheilkunde« am Freitag, 21. Juli 2017

Diese geflügelten Worte nach J. W. von Goethe nahm sich am vergangenen Sonntag eine Gruppe des Mutlanger Freundeskreis Naturheilkunde zu Herzen. Die 11 km des „Landschafts– und Kulturpfads Frickenhofer Höhe“ galt es zu erwandern. Vor einem Jahr eröffnet, bietet der Rundwanderweg mit seinen 20 Stationen und beeindruckenden Aussichtsplätzen den Besuchern unzählige Möglichkeiten der Entspannung und Erholung vom Alltag.

Walter Hees, einer der Initiatoren des Pfades, gab in seiner Einführung am Wanderparkplatz zwischen Frickenhofen und Rotenhaar den interessierten Teilnehmern einen Einblick über die Entstehung und Intention des Rundwanderwegs. Die drei Dorfgemeinschaften Frickenhofen, Mittelbronn und Rotenhar begannen vor 6 Jahren mit der Planung und anschließender Umsetzung dieser Idee. Sie wollten einfach den Besuchern aus nah und fern die Schönheit ihrer Heimat näherbringen. Auch die Geschichten der Dörfer, die wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten kamen dabei nicht zu kurz. Mit verschiedenen Fördermitteln und Sponsoren gelang dann dieses beeindruckende Projekt.

„Wir können nicht mit Gewerbe und Industrie trumpfen, unsere Schätze liegen hier in unserer wunderschönen Landschaft verborgen“ so schwärmte Walter Hees und entließ dann die Gruppe Richtung Aussichtspunkt „Hohen Tannen“. Davor überreichte der Vorsitzende Harald Welzel ein Buchgeschenk als Dankeschön für die interessante Einführung. Nach einem herrlichen Blick bis Schwäbisch Hall und die Limpurger Berge ging es dann rasch hinunter nach Rotenhar und weiter zum neu erbauten Forstausbildungszentrum Hohenohl. Kurz nach der Gußmannshütte konnte man auf der Tafel 5 den „Herrschaftlichen Flickenteppich“ studieren und feststellen, dass nicht weniger als 12 Herrschaften damals das Gebiet unter sich aufteilten. Die Sage von den „Erdluitle vom Joosenhof“ ließ doch manch einem eine Gänsehaut über den Rücken ziehen. Bei einer kurzen Pause auf dem Gelände des Rappenhofs beeindruckte die weitläufige Circus-​Anlage, die ruhig und abgeschieden wie im Dornröschenschlaf sicher auf den Kinderansturm in den nahen Sommerferien wartet.

„Wäre doch das Freibad von Frickenhofen noch in Betrieb“ so hörte man einzelne Teilnehmer seufzen. Es war allen doch recht warm geworden vom Wandern durch die warmen Täler und blühenden Wiesen. Aber nur Mauerreste und ein schattiger Tümpel zeugten von der ehemaligen Anlage.

Kurz danach wurde es doch noch recht steil. Der Ort Mittelbronn auf der Höhe gelegen, musste über einen rutschigen und ausgefahrenen Pfad erklommen werden. Dort am Ortsausgang, unmittelbar beim Dorfgemeinschaftshaus erfuhr die Gruppe von den Bergbauversuchen um Mittelbronn, wo Kohle und Vitriol gewonnen wurde.

Auf dem sonnigen Fuß-​und Radweg war nun das letzte Wegstück nach Frickenhofen zurückzulegen. Dort bei der Dorfkirche konnte man die damalige Dramatik im Bauernkrieg um Pfarrer Wolfgang Kirschenesser nachvollziehen. Als Mitverantwortlicher des „Gemeinen Hellen Haufens“, einer Gruppe Frickenhofer Bauern, war er nicht ganz freiwillig in den Krieg verstrickt und wurde 1525 in Schwäbisch Hall enthauptet.

Am Eingang des Pfarrgartens beeindruckte eine aus 700 kg Stahl bestehende Skulptur, die ihm gewidmet wurde. Im Vordergrund zwei bewaffnete Bauern mit der symbolischen Bundschuhfahne des Bauernkriegs, den Hintergrund bildet das Negativ der Skulptur. Nun war allen auch klar, was die Abbildung auf den Wegweisern des Pfads darstellen sollte.

Eine weitere Persönlichkeit war Friedrich Schmidt, der 300 Jahre später im Frickenhofer Pfarrhaus geboren wurde und als berühmter Baumeister der Gotik viele europäische Kirchen und Bauwerke entworfen und gebaut hatte — zum Beispiel das Wiener Rathaus.

Gedanklich zurückgekehrt vom Ausflug in die Geschichte waren die Wanderer schon froh, endlich in die gemütliche Gartenwirtschaft des Gasthauses „Sonne“ einkehren zu können.

Alle waren letztendlich beeindruckt von dem ehrenamtlichen Engagement der drei Dorfgemeinschaften, die ein nachhaltiges Projekt für viele geschaffen hatten, frei nach J.W. Goethe: „Lerne nur das Glück zu greifen, denn das Glück ist immer da.“.

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